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Biedermann und die Brandstifter

Šimon Voseček

Die Vielfältigkeit und die selbstverständliche Präzision von Voseceks Kompositionskunst beeindrucken: Die 90-minütige Oper hat, wie ihre literarische Grundlage, das Zeug zum Klassiker.

Von der klassischen Eleganz der 1920er-Jahre auch die Kostüme (Nele Ellegiers), beeindruckend mächtig sowie harmonisch sich in Sempers Architektursprache einfügend das Bühnenbild (Dominique Weisbauer), präzise die Zeichnung der Charaktere (Inszenierung: Béatrice Lachaussée): Frauen an die Bühnenmacht!

Die soliden künstlerischen Leistungen von Sängern und Musikern wie auch die außergewöhnlichen des Komponisten werden begeistert bejubelt. Eine ganz feine Sache. DER STANDARD (Stefan Ender)

Auch wenn – oder gerade weil – der Komponist vor Frischs finalem Brand aufhörte: Die Spannung im Raum schien schier unerträglich. Das lag bestimmt an der starken Besetzung. Stephen Chaundy als verzweifelt blöder Biedermann, Barbara Zamek-Gliszczynska als souverän mit untergehende Ehefrau, Tomasz Piêtak (Schmitz) und Till von Orlowsky (Eisenring) mimten grauslich diabolische Schufte. Dann natürlich das hysterische Dienstmädel Anna (Katharina Tschakert) und der klassisch dramatische Chor – auch in faschistoid anmutenden Knickerbockern konnte die engagierte Bürgerwacht/Feuerwehr das Unheil nicht abwenden.

Das weitere Operndebüt neben dem Komponisten: Béatrice Lachausée und ihrem Team gelang mit der geschmackvoll stringenten Regie eben im 30er-Jahre-Stil ein prächtiger Einstand. Sie machte im weitläufigen Semperdepot mit wenig Aufwand und substanzieller Personenführung viel Stimmung. Und schließlich das amadeus ensemble-wien unter Dirigent und Intendant Walter Kobéra, der sich mit dieser Produktion zum 20-Jahr-Jubiläum seiner Neuen Oper Wien ein schaurig schönes Geschenk machte. Unbedingt hingehen! WIENER ZEITUNG (Daniel Wagner)