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GRAMMA - Gärten der Schrift

José Maria Sanchéz-Verdú

Ästhetisch ansprechend ist das Ganze durchaus, auf seine Art gut gemacht, auch wenn es sich einer konventionellen Form von Kritik entzieht. Die expressivste der sechs Szenen ist die Nr. 4, "Adonisgärten", und hier entfaltet auch die Musik ihre stärkste emotionale Wirkung.

Effektvoll das Schlussbild, wenn sich ein an der Decke hängender Sack zu einem Schlauch ausstülpt und den Tänzer verschluckt. Nicht zu vergessen das Ambiente des Semper-Depots, das mit seiner einzigartigen Architektur allein schon einen Besuch wert ist. (Kleine Zeitung, Harald Steiner)

Das Bühnengeschehen lässt vieles offen, versucht nicht, die Textebene zu erhellen, sondern setzt andere Akzente und eigene Bilder - ein praktikabler Weg, um diese Literaturoper halbwegs theatertauglich zu machen.

Dirigent Walter Kobéra und Regisseur Christoph Zauner ergänzen die Oper durch Musik: "The Unanswered Question" von Ives und Monteverdis "Lame d’Arianna" sind eine bekömmliche Beigabe zum auf musikalischer Seite überaus geglückten Abend. (Wiener Zeitung, Rainer Elstner)

Es sind nächtliche Gartenwanderungen, die man mit dem Amadeus-Ensemble unter der kundigen Führung Walter Kobéras unternimmt, die Streicher spritzen mit hellen Pizzicato-Tropfen um sich, zeichnen gleißende Sternschnuppen-Linien nach. In Garten Nummer drei rezitiert Adi Hirschal mit bemühtem Understatement Augustinus, mit Sakko und Fliege auf professoral ausgestattet wie im Disneyfilm, und ein Streichquartett zirpt solipsistisch mit dazu.

Auf einer kreisrunden Bühnenfläche im Semper-Depot, welche über einer gleich großen Wasserfläche liegt, bewegt sich ein Tänzer (Paul Lorenger), oft wie eine Marionette, deren Manipulatoren mal die Geräusche und Klänge von Sánchez-Verdú oder mal Sänger sind (Günter Haumer, Oliver Ringhahn und - famos - Bibiana Nwobilo). (Der Standard, Stefan Ender)