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Schlafes Bruder

Herbert Willi // Robert Schneider

Hier leistet der Abend in der Regie von Leonard Prinsloo, in dem absolut abstrakten Bühnenbild von Monika Biegler (mehrere kubusartige Strukturen nebeneinander) ganz Besonderes, wenn diese beängstigende Umwelt auf Elias einstürzt und sich das große Gleichnis von der Einsamkeit des Genies aufs Nachdrücklichste entfaltet. (...) Es ist eine prächtig inszenierte Geschichte, die doch nur durch die Musik von Herbert Willi möglich wird. (...) Man sagt dieser Musik nichts Schlechtes nach, wenn das eine oder andere aus Vorgaben von Wagner oder Mahler herausentwickelt scheint, eine Musik, von strahlenden Trompetentönen (Solo-Trompete: Joe Hofbauer) getragen, die sich geradewegs in das Herz des Zuhörers hackt. (Dr. Renate Wagner-Wesenmann, Vorarlberger Nachrichten)

Ertrunken in der Welt der Klänge Tonlandschaften öffnen sich, eine Welt der Geräusche bricht auf. Alles im Leben des jungen Elias wird Klang, der als Sturmböe über den Burschen hereinbricht: Herbert Willis Oper "Schlafes Bruder" nach Robert Schneiders Erfolgsroman wird in Leonard Prinsloos Regie von der Neuen Oper Wien aufgeführt. (...) Musikalisch gefällt die Aufführung dank ausgezeichneter Solisten, dem amadeus ensemble und dem Sprechchor der Neuen Oper Wien unter Walter Kobera durch Dichte, Klangfrische, leuchtende Farben. Gernot Heinrich als sich verweigernder Träumer Elias auf seiner Hörreise in dem Tod erntete ebenso viel Beifall wie alle anderen: Leonid Sushon als berührendes Eliaskinde, Judith Halasz` lustvolle Elsbeth, Thomas Weinhappels leidenschaftlicher Lukas mit schönem Bariton, Michael J. Schwendingers liebender Peter, Harald Wurmsdoblers Corvinius oder der Solotrompeter Joe Hofbauer. (Karlheinz Roschitz, Kronen Zeitung Wien)

Dirigent Walter Kobéra und das Amadeus Ensemble-Wien gestalten diese aufregende Klangreise intensiv und ursprünglich. Schon die Töne des Prologs sprengen mit einer explosiven Kraft fast den Raum, die ganze Partitur klingt fein abgestimmt und äußerst konzentriert. Darstellerisch wie auch stimmlich agieren alle Protagonisten mit unmittelbarerer Überzeugungskraft. Gernot Heinrich leidet und rebelliert als Elias eindringlich, Judith Halász, eine liebliche Elsbeth, die ihre Liebe einem Sexrausch opfert, den sie mit Thomas Weinhappel (Lukas) äußerst authentisch spielt, (...) (Midou Grossmann, www.klassik.com)

Die vielen Würfel, die der hochsensible Elias (vokal glänzend Gernot Heinrich) zu begehen und zu bewohnen hat, ergeben ein dynamisch-abstraktes Bühnenambiente (Monika Biegler), das Klarheit wie Spannung schafft (...). Das Ensemble (...) war gut, und das Amadeus Ensemble Wien unter Walter Kobera spielt bei Schlafes Bruder von Herbert Willi im Energischen seine Stärken aus. (Lubisa Tosic, Der Standard)

Jetzt hat sich die Neue Oper Wien dieses Einakters in einem Prolog und acht Szenen und Epilog, der in dieser Fassung bereits im März 2008 am Stadttheater Klagenfurt zu sehen war, angenommen. In der Regie des mit der Neuen Oper schon seit Jahren eng zusammenarbeitenden Leonard Prinsloo. Er versucht, angeregt durch die unterschiedlichen Bewegungsabläufe der Musik, die Szenerie vor allem choreografisch einzufangen. Umso dramatischer präsentierte er die sich unterschiedlich entwickelnden Liebesbeziehungen von Elsbeth zu Elias und Lukas. Sorgfältig einstudiert präsentiert sich das von Walter Kobéra geführte, das vielschichtige Lineament des Stückes mit viel Faible für Details herausarbeitende amadeus ensemble-wien. Bei den Solisten – voran die Darsteller von Eliaskind (der hochbegabte erst achtjährige Leonid Sushon), Elias (der konturiert artikulierende Gernot Heinrich), Elsbeth (die emphatisch gestaltende Judith Halász) und Kurat (der auch als Sprecher markante Stephan Rehm) – stand weniger die individuelle Gestaltung als eine in sich geschlossene Ensembleleistung im Vordergrund. (Walter Dobner, Die Furche)