Triptychon

Triptychon

Gerhard Schedl
Komponist: 
Gerhard Schedl
Premiere: 
2007-07-04 00:00:00

"Pierre et Luce", "Kontrabass" & "S.C.H.A.S." // Libretti von Attila Böcs & Gerhard Schedl nach Romain Rolland, Siegfried Pitschmann & H. C. Artmann // Halle G im Museumsquartier, Wien

Musikalische Leitung
Walter Kobéra
Inszenierung
Johannes Erath
Bühne
Stefan Heinrichs
Kostüme
Susana Mendoza
Lichtdesign
Norbert Chmel
Dramaturgie
Alexandra Noël

Pierre et Luce

Libretto von Attila Böcs nach einer Erzählung von Romain Rolland

Luce
Isabel Marxgut
Pierre
Alexander Kaimbacher

Kontrabass

Libretto von Attila Böcs nach einer Erzählung von Siegfried Pitschmann

Der Junge
Gernot Heinrich
Das Mädchen
Isabel Marxgut
Silbermann
Andreas Jankowitsch
Silbermann
Gerhard Karzel

S.C.H.A.S.

Libretto von Gerhard Schedl nach dem Gleichnis "Erlaubent, Schas, sehr heiß bitte!" von H. C. Artmann

Stephanie, süßes Madl
Heidi Manser
Herr Lackl, Wiener
Andreas Jankowitsch
Herr Josef, Kellner
Gernot Heinrich
Cafétière Kriebaum
Marianne Chappuis
Teuxl Pfui
Johannes Schedl
Engel Sauber
Tobias Fend
Adolphus H. (Hitler)
Michael Zabsky
Moses, Stehgeiger
Eugeniy Chevkenov

amadeus ensemble-wien

Kurztext

„Musik ist eine Sucht“ – 2007 wäre Gerhard Schedl 50 Jahre alt geworden. Wie kaum ein anderer verstand er es, den Zuhörer im Musiktheater in vergangene Klangwelten zu versetzen, ohne dabei seine eigene Musiksprache in den Hintergrund rücken zu lassen. Das „Triptychon“ – drei Einakter mit Sängern und Schauspielern sowie unterschiedlichsten Orchesterbesetzungen – entstand zwischen 1982 und 1989. Kernstück ist der für den Dresdner Carl Maria von Weber-Wettbewerb komponierte und dort ausgezeichnete „Kontrabass“. Er wird umrahmt von der lyrischen Kammeroper „Pierre et Luce“ und vom skurrilen Musiktheater „S.C.H.A.S.“ nach H.C. Artmanns Gleichnis „Erlaubent, Schas, sehr heiß, bitte“. Gerhard Schedl lässt musikalisch vergangene Zeiten wieder aufleben: Paris zur Zeit des ersten Weltkriegs, Dresden nach dem zweiten Weltkrieg und Wien in den 80er Jahren.

Doch „Triptychon“ ist nicht nur musikalisch ein Werk der absoluten Extreme. Im Verlauf der drei Stücke zerfällt in einem nahezu unfassbaren Bogen alles: Die Sinnsuche wird zu sinnentleerter Banalität; die Utopie von Liebe, Nähe, innerem Frieden und großer Hoffnung gerät zu kalter Ignoranz und totalem Desinteresse; tiefe innere Gefühle werden zu dummer Exzentrik; der Traum einer Schwerelosigkeit endet in der Erbärmlichkeit unserer triebgesteuerten Existenz. Die Flucht der Figuren vor der Welt, vor dem Erlebten in eine Gedankenwelt bis hin zur Flucht in die Regression spiegelt sich in uns und unseren Reaktionen: vom Zuhören und Dasein bis hin zum irritierten Wegschauen. Regisseur Johannes Erath sieht im „Triptychon“ einen Spiegel sowohl unserer größten Sehnsüchte als auch unserer tiefsten Abgründe.

Alle Singdarsteller der Trilogie und die Musiker des amadeus ensemble-wien unter Walter Kobéra sind beeindruckend in dieser dichten Produktion, die in Erinnerung bleiben wird. (Süddeutsche Zeitung)

Es ehrt die Neue Oper Wien, dass sie jetzt mit einer Neuinszenierung von Schedls „Triptychon“ an diesen ebenso hochbegabten wie überaus erfolgreichen österreichischen Komponisten erinnert. Das Regiekonzept ist glänzend aufgegangen: Beklemmend wirkt das hautnahe Miterleben beim „Kontrabass“, virtuos, für manchen vielleicht zu schrill, ist das Schlussstück arrangiert. Mit Feuereifer und hervorragendem Gelingen sind die Ausführenden bei der Sache, Walter Kobéra leitet mit Umsicht sein bewährtes amadeus ensemble-wien. Der Premierenerfolg ließ nichts zu wünschen übrig. (Die Presse)

Wer Gerhard Schedls Triptychon erfolgreich auf die Bühne bringen will, braucht eine auf die Raummaße zugeschnittene Inszenierung, eine hervorragende Besetzung der Titelpartien und ein Orchester, das dem Klangzauber der drei Operneinakter voll vertraut. Walter Kobéra und seinem Team ist das alles sehr überzeugend gelungen. Johannes Erath erreicht durch sparsam eingesetzte Mittel, dass die Spannung durchgehalten wird. Besonders erwähnenswert ist seine herausragend psychologische Deutung des „Kontrabass“. (Kronenzeitung)

Schedl vielschichtige und vielgesichtige Musik hinterlässt großen Eindruck. Auch weil allen Solisten in der Inszenierung von Johannes Erath und in der musikalisch idealen Umsetzung des amadeus ensemble-wien unter Walter Kobéra eine sprühende und mit unmittelbarer Kraft packende Aufführung gelingt. (Falter)

Die drei zwischen 1982 und 1990 geschriebenen Kammeropern werden in der Inszenierung von Johannes Erath zu einer sowohl im Gestus als auch in der Raumeinbeziehung (Bühne: Stefan Heinrichs) sich mehr und mehr intensivierenden Einheit konzentriert. (Der Standard)

Die Neue Oper Wien nahm sich des bewegenden Dreiteilers an, mit Ernst, aber doch verspielt, sparsam in der Ausstattung, aber stark in der Darstellung und vor allem musikalisch sorgfältig. Hörens- und sehenswert! (Wiener Zeitung)

Walter Kobéra dirigiert das dynamische amadeus ensemble präzise. Die Bühnenlösung ist gelungen originell. (Kurier)

Vom skurrilen Kellner-Ballett, über den Ober, der den bestellten „Schas, sehr heiß“ in der Klomuschel serviert, bis zum antisemitischen Kavalier entfalten Musik und Bühnengeschehen rabiateste Wirkung. (APA)

Literatur-Opern im Mini-Format, anregend und anspruchsvoll zugleich. Aufrührend bis verstörend. Die Besetzung stimmt bis zur kleinsten, schrägen Kellner-Type, musikalische und szenische Realisierung fügen sich perfekt ineinander. Schon der optischen Gegebenheiten wegen wird man den Abend nicht so schnell vergessen. Gut möglich, dass er in der Erinnerung einmal „Kult“-Charakter annehmen wird. (Der Neue Merker Online)

Gerhard Schedls Opern-Einakter wurden gefeiert. (Kleine Zeitung)