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Requiem für Piccoletto

Dieter Kaufmann

Schwieriger Mix souverän gemeistert Kaufmann teilt Winklers Prosatext "Natura morta" in der Produktion der Neuen Oper Wien auf Sprecherin (beeindruckend Gunda König), Sprecher, Sopranistin und achtstimmiges Ensemble auf. [...] Regisseur Alexander Kubelka führt den sprechenden Piccoletto (jung und schön Manuel Rubey) und ein blindes Mädchen (vokal schwindelsicher Jowita Sip) ein. [...] Das absolute Virtuosenstück vollbringt Elena Denisova an der Sologeige, die als Akteurin auf der Bühne fast zwei Stunden lang Schwierigstes bietet.
(Kleine Zeitung)

"Requiem für Piccoletto" […] von der Neuen Oper Wien im Wiener Museumsquartier uraufgeführt. Ein Erfolg. [...] Auszüge aus Kaufmanns im Gegensatz zum sonstigen Klangtheater im Gestus sehr ruhigen "Missa povera" treffen auf mehr assoziative Bilder wie flügelschlagende Engel oder eine Kitschmadonna. Mozart ist quasi nur als ferner Beobachter präsent. [...] Die Bilder, sie waren an diesem Premierenabend auf ihre Weise ja wirklich bezaubernd schön.
(Der Standard)

Kaufmann beginnt zwar mit zartem Kammerspiel (musikalische Leitung Walter Kobéra), mit Sologeige (Elena Denisova) und Sologesang (Jowita Sip ist einsame Klasse: stimmlich – schlafwandlerisch sicher in der Intonation, metallen klare Stimme – und schauspielerisch). Aber nach und nach wird ein großes Orchester- und Chorspiel daraus. Vor allem im zweiten Teil, wo Winklers in Vatikan-Besuche verpackte plumpe Kirchenpolemik und der Tod Piccolettos als (kirchen-)musikalische Montage aus Tragik und Travestie daherkommen. Eindrucksvoll!
(Die Presse)