Archiv

63: Dream Palace

Hans-Jürgen von Bose

Wie in einem Rausch komponiert ist auch Hans Jürgen von Boses polystilistische Musik, die geschickt Jazz- und Folkeinflüsse - auch in der Instrumentierung (E-Gitarre, Saxophone) - mit wirkungsmächtigen Elementen expressiver Opernsprache a` la Aribert Reimann oder Henze integriert und auf unmittelbare, harte Direktheit ohne allzu psychologisierende Umschweife setzt: eine Art postmoderner Verismo mit prallen Typisierungen der Personen. [...]
Das ist eine rundum gelungene Produktion, ganz in der von der "Neuen Oper Wien" Walter Kobéras angestrebten ästhetischen Linie packenden, sinnlichen modernen Musiktheaters. Das Orchester spielt hervorragend, die Sänger sind durch die Bank textverständlich, agieren hautnah, durch keinen Graben getrennt, auf der Rampe direkt vor dem Publikum.
(Salzburger Nachrichten)

Dank all dieser Kunstgriffe wird der Zuschauer Zeuge einer klaren und transparenten Aufführung und, statt sich der Illusionswelt der Oper als Traumfabrik hinzugeben, ist er innerhalb der Bühne, mitten in dieser Kulturmaschine, die die Oper ist, und nicht nur Teil von Übereinkünften.
(Il giornale della musica)

Die Musik von Boses ist den hysterischen Handlungsträgern ebenbürtig. Von abendländischer Polyphonie bis Blues und Jazz werden Stile wild durcheinandergewürfelt, stets in einem Tonfall größter Exaltiertheit. Die Partitur ist reich an Einfällen und geglückten Stimmungsbildern, vom Amadeus Ensemble unter Walter Kobéra perfekt umgesetzt. Auch die Sänger, allen voran der fabelhafte Erik Arman als Fenton, schaffen starke Momente, etwa im Terzett zwischen Fenton, seinem Bruder (Isabel Marxgut) und Parkhearsts Frau (Anna Maria Pammer).
(Wiener Zeitung)