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Judith / Schnitt_Blende

Tanzoper

Drei Instrumente und drei Frauenstimmen sind im Einsatz, aber nicht etwa fein säuberlich getrennt und den drei Judiths zugeordnet. Statt dessen nähern die Gestalten sich unterschiedlich einander an, scheinen manchmal eins zu werden, fächern sich dann wieder auf in dem wenig mehr als eine Stunde dauernden knappen Werk. Eine Tänzerin (Martina Haager) und ihr filmisches, manchmal multiples Alter Ego (Video: Catherine Ludwig) ergeben eine weitere Klammer, auch die Sängerinnen, dominiert von Anna Maria Pammer, sind choreografisch ins Geschehen eingebunden. (...) Die eindringlichsten Momente entstehen in Magdalena Knapp-Menzels Libretto bei den Zwängen der zeitgenössischen Judith („schön charmant weiblich / musst du darfst du“), in der Musik aber, wenn jenseits geräuschvoll-alternativer Spieltechniken die Klangcharaktere von Fagott, Viola da Gamba und Clavichord kenntlich werden. (...) ein Abend von zartherber Poesie.
Walter Weidringer (Die Presse)

Der Text ist also nicht zahnlos. Auch Unterpertingers Musik hat Griff. Und Haager tanzt dämonisch und mit eisiger Klarheit. Der dreifachen Judith – vokal wie körperlich repräsentiert von Elisabeth Kanettis, Claudia Cervenca und Anna Maria Pammer – entspricht im Stück ein instrumentales Trio aus Fagott, Viola da Gamba und Clavichord.
Im mit dem Text korrespondierenden Video (Catherine Ludwig) wird die getanzte Judith zu Gespenst und Schatten. Echt gruselig ist aber erst die Kostümierung vor allem der als Performerinnen agierenden Vokalistinnen. Abgesehen davon aber besticht diese Arbeit durch Komplexität und Dichte.
Helmut Ploebst (Der Standard)

Die 38-Jährige widmet die Produktion der Neuen Oper Wien ihrer 2010 verstorbenen Großmutter gleichen Namens, stellt aber nicht nur eine, sondern gleich drei Judiths auf die Bühne. Assoziationen zur alttestamentarischen und einer an die Komponistin selbst angelehnten Judith treten zu Oma hinzu, jeweils von einer Stimme repräsentiert. Als Gegenüber der drei Stimmen fungieren ein Fagott, eine Viola da Gamba und ein Clavichord. Dieses Sextett wird mittels Videoprojektionen und vor allem dem ausdrucksstarken Tanz von Martina Haager miteinander verwoben, der zwischen intensiver Introspektion, natürlicher Bewegungsimitation und expressiven Momenten changiert.
(APA-Meldung aus www.tt.com)